Hans-Christian Witthauer, was braucht gute Führung im öffentlichen Dienst?
Shownotes
Hans-Christian Witthauer kennt die Herausforderungen von Führung im öffentlichen Dienst aus mehr als vier Jahrzehnten Führungserfahrung: bei der Bundeswehr, der Bundesagentur für Arbeit, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und beim Aufbau der Cybersicherheitsbehörde ZITiS. Heute ist er Vorstand der Bayerischen Verwaltungsschule.
Im ZEIT Talent Podcast erklärt er, warum fachliche Expertise allein nicht ausreicht und Führung als eigene Disziplin verstanden werden muss.
Gute Führung schafft Orientierung, setzt Prioritäten und trifft auch unter Unsicherheit Entscheidungen. Im Gespräch mit Marcus Merheim geht es außerdem darum, dass Verwaltung durch Digitalisierung und neue Prozesse nicht automatisch handlungsfähiger wird. Bleiben alte Absicherungs- und Abstimmungsmuster bestehen, wird am Ende nur der Stillstand digitalisiert.
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00:00:05: Der Zeit Talent Podcast mit den etwas anderen Themen rund um Talent Management, Recruiting und Employer Branding.
00:00:21: Hallo und herzlich willkommen zum Zeit Talent podcast!
00:00:24: Mein Name ist Markus Mehrheim.
00:00:26: Wenn wir über den öffentlichen Dienst sprechen dann denken viele immer noch zuerst an Aktenberge komplexe Zuständigkeiten und ein System das vor allem darauf ausgelegt ist Risiken zu vermeiden.
00:00:37: Auf der anderen Seite erleben wir gerade eine Zeit, in der die Verwaltungen unter enormen Veränderungsdruck stehen.
00:00:44: Digitalisierung, Fachkräftemangel, gesellschaftliche Krisen, neue Erwartung junger Generation und dann natürlich auch die große Frage wie ein moderner Staat eigentlich künftig funktionieren soll?
00:00:54: Während Unternehmen seit vielen, vielen Jahren über Transformation, Leadership, Kulturwandel diskutieren stellt sich zunehmend auch für Behörden Reicht klassische Verwaltung im ursprünglichen Sinne überhaupt heute noch aus.
00:01:10: Genau darüber sprechen wir in dieser Folge, denn moderne Verwaltungen bedeutet längst mehr als Regeln umsetzen und Prozesse absichern.
00:01:18: Es geht um Führung es geht um Verantwortung es geht Umentscheidungskraft Und es geht die Fähigkeit Menschen und Organisationen durch Zeiten der Unsicherheit Durch Zeiten der Veränderung zu begleiten.
00:01:29: gerade am öffentlichen Dienst ist das eine große Herausforderung weil Hierarchien, die bereits angesprochene Fehlervermeidung oder auch ein sehr starkes Sicherheitsdenken häufig stärker ausgeprägt sind als vielleicht auch hin und wieder Mut, Experimentierfreude oder echte Gestaltungsspielräume.
00:01:44: Also ich greif heute hier mal ganz tief in die Klischee-Schublade.
00:01:47: Mein heutiger Gast kennt diese Spannungsfelder aus unterschiedlichsten Perspektiven und wahrscheinlich so tief wie nur wenige andere.
00:01:53: Hans-Christian Wittauer blickt auf mehr als vier Jahrzehnte Führungserfahrung im öffentlichen Sektor zurück.
00:01:58: Seine Laufbahn führte ihn von der Bundeswehr, Überführungsrollen bei der Bundesagentur für Arbeit bis hin zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge während der Flüchtlingskrise.
00:02:09: Außerdem war er am Aufbau der Cyber Sicherheitsbehörde ZITIS beteiligt einer Organisation die praktisch unter Hochdruck neu entstehen musste.
00:02:16: ich glaube da kommen nochmal ganz andere Herausforderungen zu tragen.
00:02:20: Heute ist der Vorstand der bayerischen Verwaltungsschule und beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Führung im öffentlichen Dienst künftig aussehen sollte.
00:02:28: Damit Verwaltungen nicht nur verwaltet sondern zukunft aktiv gestaltet.
00:02:32: Hallo Hans schön dass wir heute sprechen können.
00:02:34: Schön das du Zeit für uns hast.
00:02:36: ja hallo Markus freut mich
00:02:37: ans zum Einstieg in alter zeit talent podcast manier würde ich dich bitten die folgenden drei Sätze zu ergänzen.
00:02:45: es ist dann sozusagen direkt unser warm ab auch miteinander.
00:02:48: Der größte Denkfehler über den öffentlichen Dienst ist,
00:02:52: dass Verwaltung vor allem verwalten soll.
00:02:56: Ich glaube moderne Verwaltungen sind längst Teil der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Steuerung.
00:03:01: Sie entscheidet über Geschwindigkeit, Handlungsfähigkeit und Vertrauen in den Staat.
00:03:06: Sehr schön!
00:03:07: Führung bedeutet für mich
00:03:09: Verantwortung unter Unsicherheit.
00:03:11: Führungen zeigt sich nicht dann wenn alles stabil läuft sondern wenn Orientierung fehlt und trotzdem entschieden werden muss
00:03:18: Und dann last but not least, wenn Verwaltung in Deutschland wirklich zukunftsfähig werden soll.
00:03:23: Dann müssen wir anfangen
00:03:25: Führung konsequent zu professionalisieren.
00:03:28: Wir investieren viel in Strukturen Prozesse und Regulierungen aber zu wenig in Entscheidungsfähigkeit Verantwortungskultur und Führungsentwicklung.
00:03:38: Wunderbar!
00:03:39: Wir haben jetzt schon mehrere Folgen zum Thema öffentlicher Dienst in unterschiedlicher Kolour durchgeführt.
00:03:44: Ich freue mich total heute mal auf deine Perspektiven.
00:03:47: was dann ganz konkret die vorhin schon angesprochenen Themen angeht.
00:03:49: Für die, bei denen es gegebenenfalls nicht sofort klingelt... Was macht die Bayerische Verwaltungsschule konkret?
00:03:56: Bei den wenigsten glaube ich klingelte es direkt!
00:03:58: Die Bayerischen Verwaltungsschule ist mehr als eine klassische Bildungseinrichtung.
00:04:02: Sie ist der zentrale Baustein letztendlich für die Funktionsfähigkeit und Weiteinwicklung der Verwaldung in Bayern.
00:04:08: Sie ist über hundert Jahre alt und sie qualifiziert die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, im kommunalen Unfeld.
00:04:14: Sie entwickelt Aus- und Fortbildungen und begleitet damit eigentlich aktiv die Modernisierung der Verwaltung.
00:04:19: Was sie noch ein kleines bisschen besonders macht, ist die Struktur.
00:04:22: Sie ist nämlich komplett eigenfinanziert.
00:04:24: also ich kriege kein Fennig vom Freistaat.
00:04:27: Ich muss unternehmerisch agieren und muss mich letztendlich permanent auch am Bedarf dessen was meine Kunden und die Verwaltung wollen messen lassen.
00:04:36: dahin gebracht bzw.
00:04:38: was hat dir die Entscheidung gegeben, dann diesen Schritt zu gehen?
00:04:40: Weil das klingt ja recht komplex und recht herausfordernd!
00:04:44: Was waren so deine ganz persönlichen
00:04:46: Beweggründe?!
00:04:47: Also ja, es ist komplex und herausfordernd.
00:04:49: Das ist der eine Grund weil ich ein bisschen sage ich mal so Komplexität und Herausforderung mag und wenn man meine Vita anguckt dann rutschig tatsächlich so nach fünf Jahren immer nervös auf dem Stuhl rum und das war einfach nartechtlich.
00:05:00: ne Chance und ich glaube die Gelegenheit über Qualifizierung, über Aus- und Weiterbildung Dinge zu verändern ist ne einmalige Chance und dass hat mich einfach gereizt
00:05:10: Wenn du auf deine eigene Laufbahn schaust, was hast du persönlich anders gemacht um?
00:05:15: Du hast es ja eben schon so schön gesagt nicht nur zu verwalten sondern wirklich auch zu führen.
00:05:20: Also was sind vielleicht so deine ganz persönlichen Tipps und Tricks wenn man das so einfach beantworten kann?
00:05:25: Ich glaube ich habe Führung nie als Abstimmung verstanden sondern immer als Verantwortung für Entscheidungen.
00:05:32: in vielen Organisationen wird versucht Risiken vollständig auszuschließen.
00:05:36: Das führt zu langen Abstimmungen und am Ende zum Stillstand.
00:05:39: Meine Erfahrung ist eine komplett andere.
00:05:41: Eine falsche Entscheidung bringt Bewegung, Lernen und Entwicklung.
00:05:45: Keine Entscheidung bringt nichts!
00:05:48: Und ich habe bewusst Rollen übernommen in denen genau das gefordert war.
00:05:51: also aufbauen neue Strukturen Krisenlagen grundlegende Transformation und da zeigt sich ein bisschen Führung.
00:05:57: also nicht im stabilen Betrieb sondern immer dann wenn die Dinge unklar sind und trotzdem entschieden werden müssen.
00:06:03: Und wenn ich da eine ganz blöde persönliche Frage einstieben darf, bist du furchtlos oder reizen dich so rollen wo man vielleicht keine festen Leitplanken hat oder auch nach relativem Unsicherheit gegenübersteht?
00:06:16: Furchtlos würde ich das nicht sagen.
00:06:17: Aber ich kann Risiken einschätzen und gehe ja auch bewusst in Risiken weil man sie eben einschätzen kann und versuche Risiken zu vermeiden.
00:06:26: und ich sage mal Bewegung bringt eigentlich mehr für mich als der klassische Stillstand Und deswegen sind vielleicht gerade diese Situationen sehr reizvoll.
00:06:36: Jetzt hast du eine wahnsinnig beeindruckende Vita, wie ich finde wenn ich das so sagen darf über vierzig Jahre Führungserfahrung eben schon gesagt in ganz unterschiedlichen Organisationen Bundeswehr, BAMF, Bundesagentur Sicherheitsbehörden und jetzt die BVS.
00:06:49: Was hat dich denn persönlich an dem Thema Führungen immer gereizt?
00:06:53: Ist das so dieses Ich bin der da immer vorangeht oder ist es eher vielleicht auch sowas an Kraft und Energie auch durch gute Führung freigesetzt werden kann?
00:07:02: Also nicht nach dem Motto, ich bin derjenige, der Dinge bestimmen kann.
00:07:06: Sondern ich glaube mich hat nie Verwaltung von Stabilität gereizt das findet man ja oftmals vor sondern immer die Gestaltung von Veränderungen und ich glaub Führung wird dann total interessant und spannend wenn Situationen unklar sind Wenn vielleicht eine Drucksituation entsteht oder wenn Orientierung gebraucht wird Und ich glaube gerade dann zeigt sich ob ne Organisation handlungsfähig ist oder ob sie in diesem klassischen Abstimmungsverhalten, was ich schon mal angesprochen habe erstarrt.
00:07:34: Und deswegen haben mich immer Aufgaben angezogen, in denen neue Strukturen aufgebaut werden mussten, Krisen bewältigt werden musten und Systeme verändert werden musst.
00:07:43: Das ist das, was für mich tatsächlich diese Führung ausgemacht hat.
00:07:46: Hast du ein Beispiel?
00:07:47: Oder was dir direkt in den Sinn kommt so für dich persönlich auch mit herausforderndes Führungsrolle- oder auch Führungenssituationen?
00:07:55: Ja, ich sage mal, mit Sicherheit kann ich zwei nennen... Als Soldat war ich im Auslandseinsatz.
00:08:01: Das ist mit Sicherheit immer eine herausfordernde Situation und wenn ich auf meinen zivilen Teil meiner Wieter gucke, dann war das mit Sicherheit die Flüchtlingskrise und meine Funktion damals im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
00:08:14: Die beiden Situation sind glaube ich so die Highlights im Level.
00:08:18: Wenn wir auf den öffentlichen Dienst schauen da wären ja nach wie vor Menschen aufgrund ihrer Fachkompetenz Führungskraft.
00:08:26: Warum behandeln wir Führung eigentlich nicht heute konsequent als ganz eigene Profession?
00:08:31: Ich glaube, das liegt daran.
00:08:32: Weil die Systeme historisch anders gewachsen sind.
00:08:35: Führungen entstand und entsteht heute noch aus Fachkarriere.
00:08:40: Wer fachlich gut ist wird Führungskraft.
00:08:42: Und das ist der Kern des Problems.
00:08:44: Führen ist keine Nebenfunktion.
00:08:46: Fährung ist eine eigene Disziplin.
00:08:49: Im öffentlichen Dienst merkt man oftmals dass Führer keinen Wert hat.
00:08:53: sie ist erlernbar trainierbar und entwickelbar Aber im öffentlichen Dienst wird sie zu selten systematisch betrieben.
00:09:00: Es gibt keine durchgängige Verpflichtung der Professionalisierung von Führungen, und die Folge ist dann einfach strukturell.
00:09:06: Organisationen sind fachlich stark aber in Steuerung, Priorisierung und Entscheidungsfähigkeit oft schwach.
00:09:13: Das ist jetzt kein individuelles Defizit von einzelnen Führungskräften das ist ein Systemthema.
00:09:18: Würdest du so weitgehend sagen dass der öffentliche Dienst weniger ein Fachproblem als ein Führungsproblem hat?
00:09:23: Also Fachkompetenz in der Verwaltung oder im öffentlichen Dienst grundsätzlich vorhanden, auch gut vorhandenen.
00:09:30: Dass eigentlich die Defizit liegt häufig in der Führung also in der Pfähigkeit Ziele klarzusetzen Prioritäten durchzuhalten und Entscheidungen zu treffen.
00:09:40: wenn Führungen nicht funktioniert entsteht ein Muster.
00:09:43: Themen werden analysiert, abgestimmt und vor allen Dingen immer abgesichert.
00:09:47: Aber nicht entschieden.
00:09:49: Und das führt dazu dass die Organisationen unter ihren Möglichkeiten bleiben.
00:09:53: Nicht weil sie es nicht besser könnten sondern weil Sie es nicht konsequent steuern.
00:09:58: Du bist ja ein wahnsinnig reflektierter Mensch.
00:09:59: gibt es Differenzen oder ich sage jetzt mal unterschiedliche Auslegungen von Führung wenn wir in den öffentlichen Bereich aber auch in den Privatbereich schauen?
00:10:07: Oder ist Führungs gleichführung
00:10:09: also Führer ist auch immer situationsbedingt.
00:10:13: Es gibt Situationen, da funktioniert Führung über einen Blick und es gibt Situation... Da muss man erklären!
00:10:20: Und das gilt in jeglicher unterschiedlichen Rolle.
00:10:22: Würdest du damit gehen bei der Aussage dass Hierarchien, Beamtenlogik nenne ich jetzt mal blöd Fehlervermeidung genau die Verantwortung verhindern?
00:10:34: Die moderne Führungen eigentlich übernehmen müsste.
00:10:37: Ich glaube sie blockieren dann wenn sie Verantwortung auflösen.
00:10:42: Also, wenn Entscheidungen nach oben delegiert werden und wenn mehr – da drehe ich mich glaube ich immer in der Argumentation im Kreis – wenn mehr Energie in Absicherung fließt als in Gestaltung?
00:10:54: Dann entsteht ein System das formal korrekt ist aber es ist nicht mehr wirksam.
00:10:58: Ich glaube, dass es immer das Kernproblem ist, dass in vielen Bereichen die Angst vor Fehlern größer als der Wille zur Entscheidung Wobei immer die Frage ist, was passiert denn wenn ein Fehler entsteht?
00:11:08: Das muss man mal immer reflektiv betrachten.
00:11:10: Das führt aber dazu dass nicht entscheiden als rational erscheint und das ist glaube ich genau das eigentliche Risiko.
00:11:16: Führung bedeutet Unsicherheit auszuhalten und trotzdem zu entscheiden Und eben auch mal Fehler als solches zu akzeptieren einzugestehen und damit umgehen zu können.
00:11:27: Also ein Fehler ist kein Weltuntergang.
00:11:28: Nein definitiv nicht.
00:11:30: Fehler ist die Chance zu lernen.
00:11:32: Mich ärgert es persönlich immer nur, wenn Fehler zweimal gemacht werden.
00:11:35: Auf der anderen Seite ist Predigis aber auch mal bei uns im Team wir betreiben keinen Atomkraftwerk von daher werden auch mal Dinge nicht ganz so sauber laufen.
00:11:42: kann man zumindest auch daraus lernen und ja Erkenntnisse dann auch für die Zukunft ziehen?
00:11:47: Ja genau
00:11:47: Jetzt hast du Organisationen ja durch Krisen und durch Transformation geführt, unter anderem beim BAMF während der Flüchtlingskrise.
00:11:55: Beim Aufbau einer Cyber-Sicherheitsbehörde also alles Dinge die mal nicht so nebenher gemacht werden sondern schon auch einen sehr starken Fokus erfordern.
00:12:03: was lernt man über Führung in sag ich jetzt mal solchen Extremsituationen?
00:12:08: Also ich glaube das in Krisen oder in solchen Situationen wie geschildert ist Geschwindigkeit wichtiger als Perfektion.
00:12:16: In der Krise stehen nie alle Informationen zur Verfügung, das kann gar nicht sein.
00:12:20: Trotzdem müssen Entscheidungen getroffen werden.
00:12:22: Wer wartet verliert glaube ich einfach Zeit und damit auch Handlungsspielräume.
00:12:27: Ich glaub gleichzeitig wird in der Krese immer dann sichtbar wie eine Organisation wirklich funktioniert.
00:12:33: Prozesse helfen nur begrenzt weiter wenn die Lage absolut dynamisch ist und dann kommt Führung zum Tragen.
00:12:39: Ich glaube, Menschen orientieren sich in solchen Situationen nicht an Organikrammen sondern an Klarheit, Haltung und Entscheidungsfähigkeit.
00:12:47: Und Krisen legen eigentlich immer schonungslos offen ob Führung tatsächlich vorhanden ist oder nur formal existiert gibt ja immer den Spruch wahre Führungsleistung zeigt sich in der Krise und ich glaube da ist definitiv was dran
00:13:00: Was ich auch mal ein ganz spannendes Spannungsfeld finde.
00:13:03: einerseits als Führerskraft Ich sage mal Erwartungen zu setzen, gleichzeitig aber auch Eigenverantwortung bei den Mitarbeitenden zu fördern.
00:13:13: Also du meinst das Thema zwischen Verantwortung und Entscheidungskraft so in diesem Verhältnis?
00:13:18: Also Ziele werden vorgegeben und der Weg bis zum Ziel soll dann von den Mitarbeiter ausgefüllt werden.
00:13:24: Hast Du da Ratschläge wie man ein bisschen mit dem Spannungsfeld umgehen kann?
00:13:28: Man muss Verantwortung klar zuordnen.
00:13:31: Und man muss vor allen Dingen aufpassen, dass es in den heutigen Systemen viele Absicherungen schleifen gibt.
00:13:36: Dadurch wird Verantwortung verteilt aber nicht übernommen.
00:13:41: und ich glaube Verantwortung und Ähnliches entsteht dort wo man Führungskräfte erlebt das Entscheidungen gewollt sind Fehler nicht automatisch sanktioniert werden.
00:13:50: Ich glaube das ist der Punkt.
00:13:51: man braucht einfach mehr Vertrauen und gleichzeitig mehr Konsequenz in der Verantwortungsübernahme, wer Verantwortung trägt muss auch Handlungsspielräume haben.
00:14:00: Und ich glaube das ist auch ein Thema was Beschäftigte auch motiviert weil sie Handlungspielräume habe, weil sie in dem Bereich selber entscheiden können.
00:14:07: ja und das ist glaube ich ein ganz wesentlicher Punkt.
00:14:10: Ich glaube wir haben viel zu viele im öffentlichen Dienst die kommen jeden Tag zur Arbeit und fahren auch abends wieder nach Hause.
00:14:18: Du weißt was ich meine ne?
00:14:19: Ja und dazwischen ist ja irgendwas passiert.
00:14:22: Ja, hoffentlich.
00:14:27: Was müssen denn Organisationen den Entscheiderinnen zur Verfügung stellen um auch in Zeiten von Unsicherheit Entscheidungen treffen zu können?
00:14:36: Also definitiv mal Sie müssen über die notwendigen Informationen verfügen um Entscheidungen treffen zu können.
00:14:43: Informationen sind Hol- und Bringschuld.
00:14:45: Ja, es gilt also in beide Richtungen.
00:14:48: Und dann muss man, glaube ich eben die Freiräume geben innerhalb von bestimmten Entscheidungsleitplanken.
00:14:54: ganz bewusst Leitplanken gesagt, rechte und linke Grenze, Entscheidungen eigenverantwortlich treffen zu können immer unter dem Aspekt das große Ganze im Blick zu haben und eben auch mit der Entscheidung, wie getroffen worden ist Leben zu können, also im positiven Sinne leben zu können sie nicht gleich wieder zu korrigieren Und auch Fehler zu akzeptieren, das ist immer wieder das gleiche Muster glaube ich.
00:15:18: Wir hatten, das war glaube ich so in der ersten oder zweiten Staffel des Zeit-Tellen-Podcasts.
00:15:22: Da gab es eine Folge mit der lieben Ilona Schumacher zum Thema Haltung und ich erinnere mich noch da ging das nämlich los... dass sie erstmal diesen Begriff Haltung aufgedrüsselt hat.
00:15:31: Es gibt ja einerseits die Körperhaltung und auf der anderen Seite aber auch die geistige Haltung, ich habe das auch bei dir gespürt.
00:15:37: also Haltung ist hier glaube ich ein sehr persönlich wichtiges Thema.
00:15:41: auch da sprichst du zumindest auch was man so findet sehr oft darüber welche Haltung brauche ich als Führungskraft im öffentlichen Dienst ganz besonders ausgeprägt heutzutage?
00:15:53: Ich glaube es ist die Bereitschaft Wirkung über Formalismus zu stellen.
00:15:58: Also Regeln bleiben wichtig, die muss es geben.
00:16:00: Das ist auch eine Aufgabe der Verwaltung Gesetze und Verwaltungsvorschriften als solches umzusetzen.
00:16:06: also Regeln sind wichtig aber sie dürfen nicht wichtiger werden als das eigentliche Ziel von staatlichem Handeln.
00:16:13: irgendwo sieht man gerade in den Netzen dass ein Feuerwehrmann auf dem Weg zum Einsatz geblitzt wurde und die Kommune oder die Stadt was jetzt gnadenlos verfolgt.
00:16:24: Also Regeln werden wichtiger als das eigentliche Ziel des staatlichen Handelns.
00:16:28: Das ist genau dieser Punkt, dass darf eben nicht passieren.
00:16:31: Man braucht es Führungskräfte die Verantwortung nicht verwalten sondern sie aktiv übernehmen.
00:16:35: auch das ist eine Frage der Haltung und zentrale Haltungen lautet deshalb Nicht fragen wer zuständig ist sondern Fragen wie Probleme gelöst werden können.
00:16:45: also heißt der Feuerwehrmann sollte das Knörchen nicht bezahlen müssen aus deiner Perspektive
00:16:51: Also ja, er soll es nicht bezahlen müssen.
00:16:53: Ich glaube dass die Kommune das relativ schnell regeln kann.
00:16:56: ich glaube jetzt von der Kommune geblitzt worden Nicht von der Polizei und da braucht's halt einfach jemanden mit Rückgrat.
00:17:02: Und ich glaube da ist das Thema jetzt einfach schon so weit fortgeschritten.
00:17:05: Die treffen sich jetzt gerade dämlicherweise vor Gericht völlig unnötig
00:17:10: Wahnsinn wahnsinn naja gut aber dann hört man leider den Schimmel auch wieder so ein bisschen wirren.
00:17:16: Genau, zeigt auch eine Wertschätzung gegenüber dem Ehrenamt.
00:17:19: Wir reden von freiwilliger Feuerwehr.
00:17:22: Oh ja und wenn es die nicht gäbe dann hätten wir wieder ganz andere Probleme.
00:17:25: also jetzt kommen wir um ein Thema nicht drum herum und zwar die Digitalisierung die ja gerade dabei ist.
00:17:34: ich glaube so ziemlich in allen Bereichen des Lebens sei es jetzt im öffentlichen oder privaten Institutionen Prozesse massiv zu verändern.
00:17:42: verändert denn Digitalisierung die Kultur in Institutionen oder digitalisieren wir teilweise nur analoge Denkmuster?
00:17:52: Ja, ich glaube das machen wir tatsächlich relativ oft.
00:17:55: Ich habe einen PDF gefaxt und bin voll digital.
00:17:59: Nein, ich denke Digitalisierung verändert vor allem den Umgang mit Informationen.
00:18:03: Informationen sind heute jederzeit verfügbar ein deutlich größerer Menge und für viele Beteiligte auch gleichzeitig sichtbar.
00:18:11: Das ist die Veränderung!
00:18:13: Transparenz beschleunigt Erwartungen und verändert auch mit Sicherheit die Dynamik von Entscheidungen.
00:18:18: Damit wird wahrscheinlich auch Zeit zu einem entscheidenderen Faktor, das ist auch was man so strategisch betonen muss.
00:18:25: Entwicklungen müssen erkannt und schneller in Handeln übersetzt werden.
00:18:29: Und auch Führung kann sich dahinter letztendlich nicht verstecken.
00:18:32: wer heute führt muss Informationen schneller bewerten.
00:18:35: sind wir wieder bei dem Thema Unsicherheit schneller einordnen und früher entscheiden?
00:18:40: wenn Führungs gleich bleibt, dann wird der analoge Stillstand digitalisiert.
00:18:45: Wenn man das mal so platz haben kann?
00:18:46: Wenn sich Führung verändert, dann entsteht Geschwindigkeit und Wirksamkeit.
00:18:50: Eine freche Frage dazwischen geschoben.
00:18:52: Warum tun sich denn trotzdem viele Verwaltungen oder auch öffentliche Institutionen gerade bei dem Thema Digitalisierung so schwer?
00:19:01: Liegt es da an nicht definierten Prozessen?
00:19:03: Kann ich mir nicht vorstellen?
00:19:04: Liegts da an unvorhandenen Informationen oder Daten?
00:19:07: Kann Ich mich eigentlich auch nicht vorstellen.
00:19:09: Fehlt da dann wieder der Mut oder hat die Absicherung dann auch überhand genommen?
00:19:13: Ja, ich glaube, die Absicherungen ist ein Thema und letztendlich eine höhere Informationsdichte sorgt eben genau zu dem Thema der Unsicherheit.
00:19:24: Und wenn man Unsicherkeit begegnen will und sich wieder ganz viel absichern, dann kommt man wieder genau in diesen Stillstand.
00:19:30: Und letztendlich ist Digitalisierung, wie viele andere auch ein Transformationsprozess und Transformations-Prozesse sind.
00:19:36: Veränderungsprozesse haben immer ihre positive und negative Dynamik.
00:19:42: müssen die handelnden Menschen im öffentlichem Bereich dann auch stärker an die Hand genommen werden oder andersherum?
00:19:49: wird der kulturelle Aspekt von einem solchen Change hin zu mehr digitalisieren automatisierung unterschätzt?
00:19:56: also er wird massiv unterschätzen.
00:19:58: Technologie lässt sich total schnell beschaffen.
00:20:01: Kultur verändert sich einfach langsamer, das ist so.
00:20:06: Viele Organisationen investieren weil es auch schnell geht zuerst in Systeme, Plattform und Prozesse.
00:20:12: Das eigentliche Problem liegt aber nicht in der Technik sondern in der Nutzung damit und im Führungsverständnis.
00:20:18: wenn dieses Thema Absicherung und lange Entscheidungswege bestehen bleiben, dann verändert es auch moderne Technologie wenig.
00:20:26: Das heißt, dann werden bestehende Muster lediglich digital abgebildet und damit hat man keinen Wandel hin zur
00:20:31: Digitalisierung.".
00:20:33: Und wenn wir so ein bisschen bei den handelnden Menschen jetzt nochmal bleiben thematisch würdest du sagen dass sich Kompetenzen von Führungskräften im öffentlichen Dienst verändert haben?
00:20:42: Also das heute bestimmte ich nenn's mal Führungskompetenze relevanter sind die vielleicht vor
00:20:52: Nein, sondern die Ausprägung ändert sich.
00:20:55: Also ich komme immer wieder zum gleichen Punkt.
00:20:58: Entscheidungsfähigkeit durch Unsicherheit wird zentraler.
00:21:02: Dazu kommt Kommunikationsfähigkeit, Priorisierung und die Fähigkeit Komplexität zu reduzieren.
00:21:08: Ich glaube, Priorisierung ist noch mal ein ganz wesentliches Element einen Schwerpunkt als solches in seinen Handeln zu legen eine Aufgabe zu konzentrieren und ich habe da immer noch mal in Erinnerung meines ganz, ganz alten Arbeitgebers die Bundeswehr.
00:21:26: Immer der Spruch es gibt nur einen Schwerpunkt und keine schwer Fläche also sich tatsächlich auf das Eine zu koncentrieren.
00:21:33: so und früher konnten Führungskräfte stärker über Fachwissen führen.
00:21:37: dass langt heute einfach nicht mehr.
00:21:39: Sie müssen Orientierung geben, Geschwindigkeit organisieren und Veränderungen möglich machen.
00:21:44: Und sie müssen auch eine Stabilität geben weil Menschen erwarten gerade in unsicheren Zeit Klarheit und Verlässlichkeit.
00:21:52: Was glaube ich auch ein Aspekt ist ja grade im öffentlichen Dienst immer relevanter wird.
00:21:55: es sind so Dinge wie Arbeitgeber Attraktivität.
00:21:58: logischerweise.
00:21:59: Ich bin jetzt ja auch schon so'n paar Jährchen in dieser HR-Bubble hätte ich fast gesagt drin und habe so das Gefühl dass der öffentliche Dienst Gerade wieder an Attraktivität gewinnt, gerade für die jungen ArbeitnehmerInnen da draußen.
00:22:14: Aber gibt es so ganz bestimmte Dinge, die sich verändern müssen um auch die Tätigkeit in der Verwaltung noch attraktiver zu machen?
00:22:21: Weil die Konkurrenz mit der Privatwirtschaft wird ja auch tendenziell nicht weniger werden.
00:22:27: Ja.
00:22:27: also ich glaube Verwaltung muss letztendlich ein Stück weit sichtbarer machen welchen gesellschaftlichen Beitrag sie leistet.
00:22:34: Ich glaube viele gerade die Jüngeren suchen heute eine Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit und eigentlich hat der öffentliche Dienst ja einen enormen Vorteil.
00:22:43: Und ich sage hier auch immer bei mir im Haus, das wo wir beitragen zu ist eine funktionierende Verwaltung.
00:22:50: Eine funktionierender Verwaltung ist die Basis für eine Demokratie.
00:22:54: Eine nicht funktionierenden Verwaltet.
00:22:55: damit fängt es an ein Problem zu werden.
00:22:58: Attraktivität entsteht nicht nur über Sicherheit – Ja!
00:23:01: Der öffentliche Dienst ist ein sicherer Arbeitgeber sondern sie entsteht eben auch über verantwortung gestaltungsmöglichkeiten oder die sinnhaftigkeit ich gerade gesagt habe.
00:23:11: Ich finde ein super begriff, ich hab schon vorträge gehalten das ist aber zum glück auch in paar jahre her wo ich dann diesen begriff purpose oder sinnhaftigkeit in den mund genommen habe und die leute haben die augen verdreht.
00:23:21: Ich find es wahnsinnig traurig mit menschen keine sinnhaftigkeiten dem sehen was sie tun und ich glaube dass das auch ein ganz ganz großes argument pro arbeitgeber da draußen in zukunft werden muss.
00:23:30: Eine harte Frage nochmal, wo mich auch deine persönliche Meinung sehr interessieren würde.
00:23:34: Wie stehst du diesem Thema was ja immer wieder aufkommt gerade Verwaltungsreformen gegenüber?
00:23:39: also brauchen wir eine Reform?
00:23:41: Ja wir müssen Verwaltung in unterschiedlichen Bereichen reformieren.
00:23:46: Wir haben aus gutem geschichtlichen Grund ein föderales System.
00:23:50: Aber das föderale System ist gerade auch mittlerweile im Zeichen der Digitalisierung vielleicht nicht mehr das klassische Erfolgsmodell.
00:23:58: Die Grundidee muss stehen bleiben, aber eben zu sagen wir brauchen eine einheitliche Software für ein bestimmtes System für alle sechzehn Bundesländer und da glaube ich... Da kann man unglaublich viel noch erreichen und gestalten und da stößt Föderalismus ein kleines bisschen an seine Grenzen.
00:24:18: Naja, das sind eine Menge von Aspekten die ja da auch immer diskutiert werden in dem Zusammenhang.
00:24:22: Also Vereinfachung von Abläufen, Digitalisierung haben wir eben schon darüber gesprochen bessere Organisationen und Führungen.
00:24:28: Da haben wir es auch wieder Einsatz von Personal und Geld.
00:24:30: also ich glaube nicht dass das so gemacht werden muss wie das in diesem leitlichen Department of Government Efficiency in den USA versucht wurde und auch Krachen gescheitert ist.
00:24:39: aber ich glaube schon dass ne punktuelle Reform wahnsinnig gut tun würde an bestimmten Stellen.
00:24:45: Deswegen jetzt aber noch mal recht gefragt, kann der öffentliche Dienst überhaupt innovativ und agil ohne Stabilität zu verlieren?
00:24:52: Ja ich glaube das kann er.
00:24:53: Dabei muss aber vielleicht stabilität neu verstanden werden.
00:24:57: also stabilität bedeutet auch unter Veränderungen handlungsfähig zu bleiben so würde ich stabilität definieren.
00:25:04: Also staatliche organisationen müssen verlässlich bleiben die verwaltung muss verlässlig bleiben.
00:25:09: sind wir wieder bei dem purpose immer wieder bei der basis für die demokratie.
00:25:14: Aber Verlässlichkeit entsteht eben nicht durch Starreheit, sondern durch Anpassungsfähigkeit.
00:25:19: Deswegen ist Innovation und Stabilität kein Widerspruch, das eigentliche Risiko entsteht eher dort wo Systeme unbeweglich werden oder unbeweglich bleiben.
00:25:29: Sehr schön!
00:25:30: Jetzt würde ich dich zum Abschluss bitten deine Schublade aufzumachen um die Glaskugel raus zu holen und den Blick in das Jahr.
00:25:40: Wie wird Führung dann im öffentlichen Dienst idealerweise aussehen?
00:25:45: In der Glaskugel sind ja auch immer ein paar Wünsche dabei.
00:25:49: Also einmal, dass Führungen an sich einen Stellenwert hat.
00:25:53: Führing hat einen Wert und dann wird Führen deutlicher weniger über Hierarchie funktionieren und mehr über Verantwortung, Orientierung, Geschwindigkeit.
00:26:02: Ich glaube deswegen weil wir komplexer dynamischer werden überall, dann wird führungsfähigkeit zum entscheidenden Faktor Und eine Verwaltung der Zukunft wird nicht daran gemessen wie perfekt Prozesse beschrieben sind, sondern wirksam sie Probleme löst.
00:26:17: Das verändert vielleicht Führung tatsächlich grundlegend.
00:26:21: die Führungskräfte werden schneller entscheiden müssen klarer kommunizieren mehr Verantwortung und wenn das gelingt dann entsteht glaube ich ein öffentlicher Dienst der stabil bleibt verlässlich ist und trotzdem beweglich ist.
00:26:33: Und wenn das nicht gelingt, dann entsteht das Gegenteil immer mehr Komplexität trifft auf immer langsamer Systeme und genau das kann sich ein moderner Start auf Dauer eigentlich nicht leisten.
00:26:44: Das ist doch ein fantastisches Schlusswort!
00:26:46: Hans ganz, ganz vielen Dank für deine Einblicke.
00:26:48: Wir haben jetzt schon wie gesagt ja mehrfach in unterschiedlichen Folgen und Facetten über den öffentlichen Bereich gesprochen oder über den Öffentlichen Dienst gesprochen noch nie so tief in dieses Führungsthema reingegangen.
00:26:58: von daher fand ich das jetzt wahnsinnig spannend und danke dir ganz herzlich für deine Zeit!
00:27:03: Ich danke natürlich auch unseren Zuhörerinnen und Zuhöhrern für das Einschalten und mir bleibt nur noch zu sagen wie immer bleibt optimistisch und bis bald tschüß
00:27:12: Das war's.
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